Pax Dei: Mein Einstieg ins mittelalterliche Sandbox-MMO
Erfahrungsbericht zu den ersten Stunden in Pax Dei: Atmosphäre, Einstieg, Crafting und gemeinsames Spielen.
Erfahrungsbericht zu den ersten Stunden in Pax Dei: Atmosphäre, Einstieg, Crafting und gemeinsames Spielen.
Als ich Pax Dei zum ersten Mal startete, wusste ich nicht so recht, was mich erwartet. Es gibt kein klassisches Tutorial, das einen an die Hand nimmt, keine popupbasierte Einführung in die wichtigsten Systeme und erst recht keine lineare Story-Quest, die einen vom Startpunkt durch die Welt führt. Stattdessen landet man irgendwo in der offenen Welt – alleine, ohne große Hinweise und mit reichlich Entdeckerdrang.
Genau diese Offenheit ist es, die Pax Dei für mich vom ersten Moment an gemacht hat. Man läuft durch eine große Welt, sieht andere Spieler ihre Siedlungen bauen, campo- niert durch Wälder, Rohstoffvorkommen und kleinere Ruinen. Völlig ruhig und ohne Druck. Wo moderne MMOs oft direkt mit Aufgabe, Belohnung und XP-Balken in der Oberfläche wedeln, macht Pax Dei einfach mal gar nichts davon. Es dauert einen Moment, bis man versteht, dass genau das die Stimmung ist, die hier gesucht wird.
Schon nach wenigen Minuten im Spiel hats mich gepackt. Die Welt ist nicht laut, sie ist nicht bunt-verspielt, sondern sie wirkt wie ein mittelalterliches Gemälde, in Bewegung versetzt. Candlelight an Werkstätten, hammerschlagende NPCs am Schmied, Spieler die in Zügen über Felder ziehen und miteinander über Ressourcen diskutieren.
Der Soundtrack untermalt das Ganze mit dezenten, folkloristischen Stücken, die nie aufdringlich wirken. In Kombination mit der Graustufen-betonten User-Interface und der schlichten Optik entsteht eine Atmosphäre, die näher an einem Pen-and-Paper-Abend ist als an einem klassischen MMO-Nachmittag. Wem dieses "Trödeln in der Welt" nicht zusagt, der wird in den ersten Stunden hier schnell ungeduldig. Wer es mag, fühlt sich sofort zuhause.
In der ersten Stunde habe ich hauptsächlich zwei Dinge getan: Holz sammeln und Stein klopfen. Beides ist wie bei kleinen Sandbox-Titeln üblich nicht besonders spannend – es fehlt auch die Befriedigung, wenn man eine Ressource am Flussufer abbaut und sich wie ein echter Handwerker in einer mittelalterlichen Welt fühlt. Ich habe mir ein paar Grundnahrungsmittel gekocht, einen provisorischen Unterschlupf gebaut und daran gedacht, als nächste Werkstatt eine Schmiede hochzuziehen.
Das Besondere an Pax Dei ist, dass man Rohstoffe nicht einfach per Knopfdruck in Items verwandelt – das passiert über Werkstationen, die man selbst baut und die im Lauf der Zeit Arbeitsschritte abarbeiten. Man startet viele Dinge und kehrt später zurück, um Ergebnisse abzuholen. Dieses Tempo zwingt mich, die Spielzeit nicht an einem Stück zu verplanen, sondern sie als "etwas anstoßen, zurückkommen, weitermachen" zu organisieren. Ich finde das charmant, kann aber verstehen, dass es für Spieler mit modernen Erwartungen gewöhnungsbedürftig ist.
Nach etwa drei Stunden wurde mir klar, dass Pax Dei ein Spiel ist, das erst in der Gruppe richtig aufgeht. Ich habe mich in einer kleinen Gilde zusammenfunden, hatte gemeinsam eine kleine Werkstattssiedlung. Es war nicht irgendein "Gilden-PvP", sondern einfach eine Gruppe Mitspieler, die zusammen Rohstoffe sammeln, Bäume fällen und Gebäude errichten. Keine Rollenverteilung im klassischen Sinne, sondern das was gebraucht wird. Man kommuniziert, man organisiert, man hat gemeinsame Ziele.
In dieser Phase verhält sich Pax Dei wie ein entspannter Werkstattnachmittag in einem handwerklichen Atelier — mit zufälligen Mitspielern als Besucher. Es ist eine Kooperationserfahrung, die ich so aus anderen MMOs nicht kenne. Es geht nicht darum, möglichst schnell die höchste Stufe zu erreichen, sondern gemeinsam eine existierende Welt allmählich zu bebauen und zu formen.
Nach wenigen Stunden Pax Dei hatte ich das Gefühl, erst am Anfang einer längeren Reise zu stehen. Kein "Jetzt hab ich's gespielt und kann zur nächsten Review weiter- ziehen". Die Waagschale zwischen "nichts tut sich" und "die Welt lebt durch ihre Spieler" schlägt stark nach letzterem aus, sobald man sich auf das Konzept einlässt.
Ich plane, in den nächsten Wochen an konkreten Crafting-Zweigen weiterzumachen. Die Praxistests zu Pax Dei auf dieser Seite werden also fortgesetzt — Stay tuned. Für mich ist Pax Dei aktuell eines der spannendsten Beobachtungsprojekte im MMO- Bereich: Nicht must-play für alle, aber genau richtig für Spieler, die sich auf ein langsameres, gemeinsames Erlebnis einlassen können.